Berlin
Was uns trägt
Digitales Wohlbefinden ist kein technisches Problem. Es ist eine Frage der Regulation – unseres Körpers, unserer Aufmerksamkeit, unserer Beziehungen. In einer Gegenwart permanenter Erreichbarkeit, beschleunigter Kommunikation und moralischer Daueransprache geraten genau jene Fähigkeiten unter Druck, die Gesundheit eigentlich tragen: Wahrnehmung, Maß, Erholung, Bindung.
CHECK MAG #24 nähert sich diesem Thema bewusst nicht aus einer Perspektive der Warnung oder des Verzichts. Stattdessen geht es um Einordnung. Um die Frage, wie digitale Technologien unser Nervensystem, unser Begehren, unsere Intimität und unsere sozialen Strukturen beeinflussen – und wo wir Gestaltungsspielräume zurückgewinnen können. Die Beiträge dieses Hefts verbinden medizinische Forschung mit gelebter Erfahrung. Sie sprechen über Beziehungen, Bewegung, Care-Arbeit, Körperbilder, HIV, queere Lebensrealitäten und die Bedingungen, unter denen Nähe heute entsteht oder erschwert wird. Dabei wird deutlich: Belastung entsteht selten durch ein einzelnes Medium, sondern durch Dauer, Verdichtung und fehlende Übergänge. Gesundheit beginnt dort, wo wir wieder spüren, was uns überfordert und was uns trägt.
Digitales Wohlbefinden meint deshalb nicht Rückzug, sondern bewusste Praxis. Nicht Optimierung, sondern Beziehung. Nicht Kontrolle, sondern Resonanz. Dieses Heft versteht sich als Einladung, genauer hinzusehen: auf den eigenen Alltag, auf den eigenen Körper, auf die Bedingungen, unter denen wir leben. Und darauf, wie wir ihnen – individuell wie kollektiv – etwas entgegensetzen können, das trägt.
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